Kühe in der Wüste Neu Mexikos
Kühe in der Wüste Neu Mexikos

Kühe in der Wüste Neu Mexikos

Wir sitzen in unserem Hotelzimmer beim Flughafen in Albuquerque und haben gerade unsere letzten Enchiladas in New Mexiko gegessen. Wenn alles klappt, fliegen wir morgen früh um 6 Uhr – in acht Stunden! – und landen am Donnerstag um 8 Uhr in Zürich :-).

Natürlich werden wir unsere amerikanischen Freunde vermissen, doch es wird toll sein, unsere Freunde und Verwandten in der Schweiz, in Frankreich und in Deutschland wieder zu treffen. Abgesehen davon gibt es viele andere Dinge, auf die wir uns freuen.

Marie:

Als erstes freue ich mich auf das Schwimmbad, das nur ein paar Minuten von zu Hause entfernt ist. Das Praktische daran ist, dass ich nach der Schule gleich dorthin gehen und meine Hausaufgaben an einem sonnigen Platz mit einem Eis machen kann. In Santa Fe gibt es kein Schwimmbad in unserer Nähe, man müsste dann dort hin fahren.

Muri ist sehr klein (7’000 Einwohner) und deshalb kann ich überall alleine hingehen, ohne gefahren werden zu müssen. Das hat mich in Santa Fe ein bisschen gestört, da wir die einzigen waren, die zur Schule gelaufen sind. Um in die Stadtmitte zufahren muss man ganz schön lange fahren.

In der Schweiz gibt es ein paar Strassen entfernt eine sehr lecke Bäckerei. Sie heisst Kreyenbühl und verkauft die besten Laugen-Gipfeli der Umgebung. Sie sind warm und knusprig und schmecken himmlisch mit Nutella. Die Kuchen und das Brot hier in Amerika sind zwar sehr lecker, aber wir haben die Laugen-Gipfeli vermisst, die gibt es hier ja nicht.

Ich freue mich auch sehr auf die Bauernhöfe, von denen es um Muri herum nur so wimmelt. Ich liebe den Geruch der vielen Tiere und den Anblick der smaragdgrünen Felder. Hier in Santa Fe gibt es zwar keine grünen Felder, da es in der Wüste liegt, doch ich werde den unendlich weiten, saphirblauen Himmel vermissen, der sich über unsere Köpfe spannt.

Im November hatten Hannah und ich vor, für Mom ein Kätzchen zu kaufen, aber sie hat uns erklärt, dass das nicht so einfach geht, weil der Umzug für das Tier zurück in die Schweiz zu anstrengend sein könnte. Dafür werden wir in der Schweiz eine Katze kaufen, sobald wir uns wieder eingelebt haben. Ich freue mich sehr darauf, da ich eine grosse Tierliebhaberin bin.

 Michèle:

Als erstes kann ich es kaum erwarten, zu unserem Haus zurückzukommen. Ich bin zwar nicht übermässig materialistisch, aber es ist mir wichtig, von schönen Dingen umgeben zu sein, die mir etwas bedeuten.

Weiterhin freue ich darauf, Zeit in unserem Garten zu verbringen, der zur Zeit mit Blüten birstt. Zwei Freunde haben mir erzählt, dass das Geissblatt und die Clematis den Zaun völlig überwuchert haben und unseren Garten in einen Märchenwald verwandelt haben. Besonders schön wird es sein, wieder mit der Kamera auf dem Schoss vor unserem Bassin zu sitzen und auf die Libellen zu warten.

Nach einem Jahr Home office, Skype-Gesprächen und einsamen Kaffeepausen wird es aufregend sein, an die belebte WSL zurückzukehren.

Hannah:

Als jemand, der in der Schweiz aufgewachsen ist, habe ich einen sehr feienen Geschmackssinn entwicklet, was Schokolade angeht. Schon in Orlando im Harry Potter-Land, wo wir vor ein paar Jahren waren, war ich enttäuscht von den berühmten Schokofröschen, die eindeutig nicht aus der Schweiz kamen. Ich weiss nicht, ob Amerika vielleicht ein anderes Rezept benutzt, oder ob es daran liegt, dass Schweizer Schokolade mit der Milch von Kühen gemacht wird, die den ganzen Sommer auf der Alp verbringen, aber Amerikanische Schokolade schmeckt einfach anders. Deshalb freue ich mich jetzt schon auf die knackige und sahnige, dunkle und helle, Lindt und Cailler Schokolade.

Ich habe es vorher nie wirklich wahrgenommen, aber die grünen Weiden mit den friedlich grasenden Schafen sind ein Teil von mir geworden, genau wie die heisse Wüste und der blaue Himmel von Santa Fe. Ich vermisse es, auf meinem Schulweg an der Schafweide vorbeizufahren und von dem Geruch nasser Wolle oder sogar Kuhmist begrüsst zu werden. Manche Leute sagen, dass der Dünger stinkt, doch ich atme jedes Mal tief durch, wenn ich an einem frisch ausgemisteten Feld vorbei komme.

Der Wald in Muri ist nur ein paar Strassen hinter unserem Haus, und an manchen windigen Tagen bringt eine Briese den Duft von Moss und Laub zu unserem Garten. Die dunklen Bäume, die wie Männer in langen, smaragdgrünen Umhängen auf dem Hügelkamm stehen, haben etwas Beruhingendes an sich und bringen eine Gemütlichkeit, die es in der weiten, ewigen Wüste von Neu Mexiko nicht gibt.

Diese beiden Plätze, die ich beide als Zuhause betrachte, sind vollkommen verschieden. Die grünen, saftigen Weiden der Schweiz und das warme, sandige Santa Fe, und ich kann ehrlich nicht sagen welches ich lieber habe.

Wenn ich jetzt die Wahle gegeben wäre ob ich wieder ein Jahr in einem anderen Land leben möchte, oder sogar erneut in Santa Fe, würde ich mit grosser Bestimmtheit antworten: „Ja“.