Dezember 2016

(Michèle) Dieses Jahresende sind wir drei Dobbertins wieder zusammen unter einem Dach. Wie schön! Während Hannahs einjährigen Aufenthaltes in Santa Fe war das Tête-à-tête mit Marie zwar (noch) spannender und erfreulicher, als ich es erhofft hatte. Jedoch machen Ferien und alle unsere Projekte um so mehr Spass, wenn wir sie zu dritt erleben. Deshalb schreiben wir diesen Weihnachtsbrief mit sechs Händen.

Neue Welt

(Hannah) Ich kann nicht genau sagen, in welchem Land ich mich für dieses Neujahr befand. Vielleicht war es Guatemala, wo ich mit meiner Gastfamilie eine Hochzeit von Freunden gefeiert habe. Vielleicht überflog das Flugzeug auch gerade den Golf von Mexiko. Oder es war bereits wieder in Santa Fe, New Mexico, gelandet, wo ich noch die restlichen fünf Monate meines Austauschjahres verbringen würde.

Dieses Jahr hat für mich unverhoffte Veränderungen mit sich gebracht. Zum Beispiel konnte ich an dem örtlichen College meine Leidenschaft für Film ausleben und weiterentwickeln. Als Praktikantin habe ich so viel Zeit im Santa Fe Community College wie noch möglich verbracht, und dort die wesentlichen Lichttechniken, die verschiedenen Kameras, und einiges mehr gelernt.

Jahresende in London

At Madame Tussaud's

Madame Tussaud’s

(Marie) Kurz bevor das Jahr 2015 zu Ende war, flogen Maman und ich nach London. Unsere fünf vollgepackten Tage verbrachten wir meistens mit Stadtbesichtigungen. Der Double-decker durfte dabei nicht fehlen J. Und da wir im Land von Harry Potter waren, haben wir zu Fuss verschiedene Drehorte aus dem „magischen Reich“ mit einem speziellen Stadtführer erkundet. Bei der „Tower of London“ bewunderten wir die Kronjuwelen, und abends schlendeten wir über die bloss zehn Minuten von unserem Hotel entfernte „Tower Bridge“. Und als Weihnachtsgeschenk haben wir uns zwei Musicals gegönnt: Wicked und Les Misérables. Dies war für mich der Highlight dieser tollen Reise.

School theater

(Marie) In meinem zweitletzten Jahr an der Oberstufe habe ich wieder mit Vergnügen beim Schultheater mitgemacht. Dieses Jahr beschäftigteScreen Shot 2016-11-20 at 12.03.39n wir uns mit „dem Himmel und was nach dem Tod kommt“.

Ich spielte eine schüchterne Schülerin, welche zusammen mit sechs Klassenkameraden in einem Autounfall stirbt und sich an das „Leben“ im Himmel gewöhnen muss. Zwei von ihren Kollegen versuchen jedoch wieder zurück zur Erde zu kommen und schaffen es schliesslich auch. Die gelungenen Aufführungen fanden bloss ein paar Tage nach meinem 13. Geburtstag statt.

Mai in Barcelona

(Michèle) Spanisch lernte ich dieses Jahr weiter und brauchte Frühlingsferien in Spanien, um mich zu motivieren … Marie meinte aber – mit Recht -, dass wir uns nicht trauen würden, alleine in der Sierra Nevada zu wandern. Barcelona stellte eine vielfältige, photogene und gastronomisch attraktive Alternative dar. Besonders die Sagrada Família und Gaudis Casa Batlló haben meine Erwartungen übertroffen. Und in Tapas-Lokalen mit Maries Appetit anzuhalten kann eine Herausforderung sein.

Ähnlich wie im Dezember in London war für mich das Beste an diesem verlängerten Wochenende, dass es Marie auch viel Spass machte. Vier Tage lang einen trotzenden Teenager zu schleppen, wäre nämlich nicht meine Traumvorstellung gewesen!

IMG_7997Disney World

(Hannah) Die letzten paar Wochen vor meiner Rückkehr in die Schweiz vergingen wie im Flug. Mit einer Filmcrew vom College drehte ich meinen ersten eigenen Kurzfilm. Unmittelbar darauf reiste ich mit meiner Gastfamilie für eine Woche zu Disney World in Florida. Für sie ist es beinahe eine Tradition, und es hat mir sehr viel Spass gemacht, mit ihnen Hogwarts, Splash Mountain und andere wundersame Orte zu besuchen.

Schulschluss, gebrochener Ellbogen und Jolimont

(Marie) Während Hannah sich an das Leben zurück in der Schweiz gewöhnte, rückte für mich das Ende des Schuljahres immer näher. Doch bloss zwei Wochen vor Schulschluss brach ich mir bei einem Fahrradunfall den rechten Ellbogen. Das führte dazu, dass ich an diesem Abend nicht bei der Aufführung meines Orchesters mitspielen konnte und auch bei den zwei weiteren Vorführungen vom Publik zuschauen musste. Glücklicherweise war in der Schule die Notenabgabe am Morgen des Unfalles gewesen, weswegen ich mich nicht um Prüfungen kümmern musste.

Leider verpasste ich nicht nur die Orchester-Aufführungen, sondern auch das Musiklager in Jolimont. Hannah ging also ohne mich, aber beim Schlusskonzert konnte ich wenigstens meine alten Freunde sehen.

Homecoming und neuer Anfang

(Hannah) Als ich im Juni von meinem Austausch zurückgekommen war, hatte ich zuerst mehrere Tage mit Entspannen und Nichtstun verbracht. Dabei hatte ich doch einen perfekten Plan aufgestellt: An meiner Maturarbeit arbeiten, den verpassten Schulstoff nachholen, und eventuell ein neues Filmprojekt starten. Nach zwei Wochen raffte ich mich zusammen und entschloss mich dazu, einen völlig neuen Schritt zu wagen. An einem Dienstagabend ging ich zu dem wöchentlichen Flüchtlingstreffen in Muri. Angespornt dazu war ich durch die Idee für die Maturarbeit, die ich mit einer guten Freundin zusammen auf die Füsse stellen werde – doch dazu erfahrt ihr dann nächstes Jahr mehr.

Ich hatte erwartet, völlig allein in einer Ecke zu stehen, da ich nicht sehr gut auf Menschen zugehen kann. Diese Erwartung schwand sofort. Bald war ich in ein Tischfussball-Turnier mit einem kleinen Jungen aus Irak und seiner Schwester vertieft, während mir ein 20-jähriger Afghane Fotos von seinem Schweizer Fussballteam zeigte.

Back to the US

(Marie) Nach Jolimont hatte Hannah gerade Zeit, um neu zu packen, bevor wir nach Amerika abreisten. Zuerst haben wir elf Tage in einem malerischen alten Ferienhaus in Santa Fe verbracht. Für mich war diese Zeit sehr entspannt. Wir hatten keine Liste von Sachen, die wir erledigen wollten und es schien viel eher, als ob wir einfach nach Langer Zeit nach Hause gekommen wären. Nach unserem, für mich viel zu kurzen Aufenthalt in Santa Fe sind wir zusammen mit Hannahs zwei ehemaligen Gastschwestern weiter Richtung Westen gefahren. Nach einem Abstecher beim Grand Canyon fuhren wir weiter nach Las Vegas, wo wir eine Nacht im Casino übernachteten und abends Maman uns mit einer märchenhaften Aufführung vom Cirque du Soleil überraschte. Diese Vorführung war einer meiner Lieblingsteile der Reise. Dessen Thema, die Beatles, hat uns für den Rest der Reise ziemlich geprägt: Während der langen Fahrten danach haben wir uns so oft Beatles Musik angehört, dass ich bis heute die meisten Lieder fast noch auswendig kenne.

Danach verbrachten wir drei Tage in Mammoth Lakes, in einem wunderschönen Ferienhaus am Rand einer Blumenwiese mit Bach. Um den westlichen Teil des Yosemite National Park zu erkundern, blieben wir für zwei weitere Tage in Wawona. Als ich bei einer unserer Wanderungen kurz auf die anderen wartete, hörte ich im Gestrüpp bloss ein paar Meter neben dem Pfad ein Rascheln. Ich dachte zuerst, es sei ein junger Maultierhirsch gewesen und fing an, es mit meinem Handy zu filmen. Sehr bald merkte ich jedoch, dass die Ohren viel zu rund und der Körper zu klein für ein Hirsch waren. Zwischen den Gräsern erkannte ich dann plötzlich, dass es ein … junger Bär war!

IMG_1977Die letzten gemütlichen Tagen unseres Roadtrips haben wir bei Bodega Bay, im gleichen Cottage mit Ozeanblick verbracht, wo wir im Frühling 2013 schon waren. Von dort sind die Napa Valley (Coppolas Weingut!) und Point Reyes nur eine Stunde entfernt. San Francisco, unser letzter Stopp, war eindeutig mein Lieblingsort, aber leider zu kurz. Irgendwann hoffe ich, wieder mal nach Amerika zu reisen, entweder mit meiner Familie oder, wenn ich älter bin, mit Freunden.

Nostalgie und Gemütlichkeit im Wallis

(Michèle) Letzten Sommer hatte ich unsere elf Tage in Santa Fe als Nostalgie pur empfunden: Wie Marie es geschrieben hat, fühlte es sich, zu Hause angekommen zu sein. Ungezwungen, und am richtigen Ort. Im Oktober löste sich ein ähnliches Gefühl aus, als wir für eine Woche Ferien in das sonnige Walliser Dorf Vercorin ankamen. Hier auf 1300 m.ü.M. habe ich nämlich in 1987 einen glücklichen Sommer mit meiner damals besten Freundin erlebt. Wie sehr ich die Berge vermisse!

Für Hannah, Marie und mich waren es genau die richtigen Ferien: viel wandern, fotografieren, lesen, ausschlafen, über Gott und die Welt reden, und am Abend vor dem Holzofen kuscheln und trotz müde Augenlider einen Film schauen (siehe Hannahs video über diese Ferien).

 

Freundschaft, Friede und Hoffnung

(Hannah) Nun helfe ich jeden Dienstag beim Flüchtlingstreffen in Muri. Den Afghanen, der mir im Sommer begeistert Fotos seines Fussballteams gezeigt hatte, nenne ich jetzt stolz meinen Bruder und habe schon an verschiedenen Filmprojekten mit ihm gearbeitet. Donnerstags unterrichte ich mit ihm in einem Flüchtlingsheim in Suhr Deutsch und er bringt mir seine Muttersprache, Persisch, bei. Die Geschichte mit dem kleinen Iraker ist leider nicht so erfreulich – nachdem ich seine Familie immer wieder nach der Schule besuchte und sie mir sehr ans Herz wuchsen, mussten sie leider ausreisen. Bevor sie die Schweiz verlassen haben, konnte ich jedoch einen Kurzfilm mit dem kleinen Sajjad machen.

Anfang Dezember habe ich in dem Asylheim, das ohne Sajjad und seine beiden Schwestern sehr viel stiller scheint, eine kleine Backaktion durchgeführt. Mit Flüchtlingen, egal aus welcher Religion, Kekse zu backen, stimmte für mich mit dem Geist der bevorstehenden Weihnacht einfach überein.

In diesem Sinne wünschen Maman, Marie und ich euch gesegnete Weihnachten, und uns allen ein friedliches Neues Jahr.

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