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Hannahs Zahnspange sollte Ende August kontrolliert werden, also besuchten wir kurz vor Schulanfang eine der wenigen Zahnärztinnen, die sich in Neu Mexiko mit dieser speziellen Art von Spange auskannte. Die Aufnahmeuntersuchungen wurden von einer sehr freundlichen Assistentin koordiniert, bevor wir überhaupt die Zahnärztin sahen. Wegen der offenen Räumigkeiten voll Ecken und Nischen wirkte die Praxis sehr angenehm, und am Empfang überraschte uns ein nettes Begrüssungswort auf einer Tafel (s. Foto). Mir fiel auf, dass alle PatientInnen sich nicht bei den Angestellten, sondern bei einem Touchscreen anmeldeten. Dann konnten sie sich die Zähne putzen – Einweg-Zahnbürsten standen zur Verfügung bei dem Waschbecken.

Nach über eine Stunde Untersuchungen, inklusiv Bildaufnahmen und digitalem Röntgen, überwies die Zahnärztin Hannah doch lieber zu einem kompetenteren Fachkollegen, ebenfalls in Albuquerque. Ausdrucke der gesamten Unterlagen durften wir selbstverständlich mitnehmen. Und für die Aufnahmeuntersuchung mussten wir auch nichts bezahlen – Konkurrenz verpflichtet.

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Vier-und-zwanzig Stunden vor unserem Termin beim Fachkollegen rief mich eine Robotterin an –  so tönte es zumindest. Die synthetische Stimme fragte, ob ich Hannahs Termin nicht vergessen hatte („Drücken Sie die Taste 1“) bzw. ob ich den Termin absagen wollte („Drücken Sie die Taste 2“). Ist es nur eine nette Dienstleistung, oder gibt es wirklich so viele Patienten, die ihren Termin verpassen oder vergessen, sich abzumelden?

Zu meiner Erleichterung entpuppte sich der Kieferorthopäde nicht als ein Zahn-Terminator, sondern als die anerkannteste Kapazität im ganzen Staat, der neben seiner Praxis auch an der Uni unterrichtet. Seine Praxis ist wie er: modern und hoch effizient. Und ganz nett sind sie alle auch noch! Auch hier sind alle Räume offen – ausser der Toilette. Da alle Prozesse digitalisiert werden, stehen fast keine Aktenschränke herum.  Insgesamt haben wir mindestens fünf Untersuchungsstühle gezählt, drei davon neben einander, mit Blick ins Grüne durch eine grosse Fensterfront. Der Zahnarzt geht vom einen zum anderen, freundlich und aufmunternd.

Beim zweiten Termin, und bevor wir den Patientenvertrag und den Haftungsverzicht zu unterschreiben bekamen, durften wir ein kurzes Video schauen, das uns über alle Übel sehr graphisch informierte, die in den nächsten Monaten „vielleicht eventuell vorkommen könnten“. Das Bild unten zeigt ein fast perfektes „Nachher“-Gebiss im Vergleich mit „Vorher“-Horrorbildern in dem Video.

Auch hier meldet man sich bei jedem Termin selber am Bildschirm an. Vielleicht können sich die Angestellten und der Zahnarzt deshalb mehr Zeit für die PatientInnen nehmen. Zwischen dem ersten und dem zweiten Termin haben Hannah und ich sogar je einen Brief erhalten: Ich wurde über die nächsten administrativen Schritte informiert, und in Hannahs Brief stand, wie sehr die Praxis sich gefreut hatte, sie kennenzulernen, und dass „einer der schönsten Aspekte unserer Praxis ist, die Möglichkeit zu haben, mit solch netten Menschen zu arbeiten.“

Den Brief habe ich aufgehoben, denn auch wenn er ein Serienbrief ist, tut es einem Gut. Hannahs Zahnärztin in der Schweiz ist auch ganz nett, aber bei meiner habe ich immer den Eindruck, dass ich störe. Obwohl ich bei ihr nie einen anderen Patienten gekreuzt habe und selber nicht zu früh aufkreuzte, musste ich jedes Mal „en chliine Augeblick“ warten, während sie am Empfang etwas schrieb oder in der Teeküche etwas mit ihrer Assistentin besprach (oder ihre Pause fertig machte!). Und während sie mich behandelt, werde ich für sie noch transparenter… Ich denke nicht, dass ich meine Schweizer Zahnärztin je auf Facebook „liken“ werde.

Michèle