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Zweiter Schultag

Zweiter Schultag und sie lächeln noch breiter!

Zwischen diesem Bild und dem von gestern sind zwar nur 24 Stunden vergangen, aber wie anregend diese Zeit doch war! Und wie anstrengend! Doch habt ihr bemerkt, dass die beiden Lächeln noch breiter geworden sind?

Nachträglich ist mir aufgefallen, dass ich mir gestern gar keine Sorgen über Hannahs und Maries relationales Wohl gemacht habe. Interessant, oder? Nach den fast zwei Tagen, die sie im Februar in der Schule verbracht haben, der drei-stündigen Sitzung mit der Schulleitung und mehreren Lehrkräften und der Informationstagung von letzter Woche war uns klar, dass die Sozialkompetenzen und die emotionelle Entfaltung jedes Mädchens in dieser Schule im Mittelpunkt stehen. Und mit nur knapp 40 Schülerinnen in drei Klassen und einem hoch engagierten Lehrer-Team sind die Voraussetzungen ideal, um dies umzusetzen.

Die Schulleiterin meinte gestern, es sei für alle ein toller, energievoller Tag gewesen, mit viel Raum für Bonding-Aktivitäten (Kennenlernen), und dass die Mädchen sicher tot müde sein würden. Um müde zu sein, hatten Hannah und Marie aber keine Zeit, denn nach dem Zvieri sind wir gleich zur Tanzschule gefahren. Hannah hatte zuerst ihren ersten modern dance Unterricht, anschliessend ging es für beide Mädchen weiter mit ihrer Irish dance Stunde. Das hat ihnen beiden viel mehr Spass gemacht, als sie nach diesem ersten Schultag erwartet hatten.

Für Marie und für die anderen „Bibbelis“ (6. Klässlerinnen) ging es gestern vorwiegend darüber, die Schulkultur zu entdecken und sich kennenzulernen. In der 8. Klasse gibt es neben Hannah nur eine zweite neue Schülerin, aber eine der Mitschülerinnen meinte, diese Klasse sei toll und würde die Neuen sofort aufnehmen. Davon bin ich überzeugt.

In Hannahs Klasse wurde ausserdem wirklich gearbeitet, und sie hatte sogar schon Hausaufgaben auf heute: Einen 1-2 Seiten langen Aufsatz über „Was heisst es, in 2012 ein Mädchen zu sein“. Da staunt ihr wahrscheinlich genau so wie ich, oder? Wo ich noch mehr gestaunt habe, ist, als Hannah mir das Gedicht gezeigt hat, das sie zum gleichen Thema in der Schule zusammen gelesen und kommentiert haben. Es ist ein Ausschnitt aus Eve Enslers neustem Buch, I Am An Emotional Creature: The Secret Life of Girls Around The World, das 2010 veröffentlicht wurde und letzten Juni in Berkeley auf die Bühne umgesetzt wurde. Even Ensler ist eine bekannte amerikanische Feministin, Aktivistin und Schriftstellerin, die eine unglaublich fröhliche Energie ausstrahlt – auch wenn sie die unangenehmsten Wahrheiten ausspricht.

Das Buch wird Hannahs Klasse dieses Jahr im Englisch-Unterricht lesen und kommentieren – neben  To kill a mockingbird (einem Welt-Klassiker über Razismus und Gerechtigkeit, woraus einer von Matthias‘ Lieblingsfilmen gedreht wurde, Wer die Nachtigall stört), The secret life of bees (einem von meinen Lieblingsbüchern allerzeiten), einem Shakespeare Theaterstück und einigen anderen. Tönt spannend, oder?

Den Ausschnitt aus Eve Enslers Buch, den Hannahs Klasse bekommen hat, konnte ich im Internet nicht finden, dafür einen anderen. Davon gibt es eine sensationelle „live“-Version: Eve Ensler, die auch Schauspielerin ist, hat diesen Ausschnitt am Schluss einer öffentlichen Konferenz vorgeführt (ab 15’43“ hier). Während man ihr zuschaut, kann man sogar gleichzeitig den Transkript auf verschiedenen Sprachen lesen, inklusiv auf Deutsch (auf „Show transcript“ und Sprache auswählen). Das macht’s für mich einfacher, einige Sätze mit euch zu teilen, die dieses Jahr wahrscheinlich oft zu unserem Motto werden:

„Sag mir nicht, dass ich nicht weinen, mich beruhigen soll, dass ich nicht so extrem sein, vernünftig sein soll. Ich bin ein emotionales Wesen. So wie die Erde entstanden ist, wie der Wind weiterhin bestäubt. Man sagt dem atlantischen Ozean nicht, er solle sich benehmen. Ich bin ein emotionales Wesen. Warum sollten sie mich abdrehen, wegsperren wollen? Ich bin dein verbleibendes Gedächtnis. Ich kann dich zurück bringen. (…)

Ich bin ein emotionales, ich bin ein emotionales, vorbehaltsloses, ergebenes Wesen. Und ich liebe, hörst du mich, ich liebe liebe liebe es ein Mädchen zu sein. Können Sie das mit mir zusammen sagen? Ich liebe, ich liebe, liebe, liebe es ein Mädchen zu sein!“

Michèle