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img_5660… vor dreihuntert Jahren. Damals war das Freilichtmuseum El Rancho de las Golondrinas (Schwalbenhof) die offizielle Raststätte für alle Reisenden auf dem Camino Real (dem königlichen Weg) zwischen New Mexico und Santa Fe, als New Mexico noch eine Kolonie war. In den 1930er Jahren kaufte eine Familie die Ranch, restaurierte die alten Häuser und bauten Neue. Dann nahmen sie historische Gebäude aus ganz New Mexico auseinander und bauten sie auf dem Gelände um die Ranch herum wieder auf. Schulen, Schmieden, Ställe, Brunnen, Gerber- und Klempnerwerkstätte, Wassermühlen, noble Ferienhäuser und mehr schauen zwischen den dürren Büschen und Bäumen auf den umliegenden Hügeln hervor. Die gesamte Fläche dieses Gebiets beträgt über 80 Hektare, was, wenn man es mit dem 66 Hektare grossem Ballenberg in der Schweiz vergleicht, wirklich riesig ist.

Von diesem Freilichtmuseum, das nur eine Viertelstunde von zu Hause entfernt ist, haben wir erst letzten Samstag erfahren und es daraufhin besucht. Die Lehmhäuser der Ranch sind ebenso wunderschön! Alles sieht genauso aus, wie ich es mir vorgestellt hätte. Kissen mit bunt gewebten Überzügen liegen auf dem Lehmboden vor Holzöfen, Spinnrädern und Webstühlen, bunte Wolle und fertige Teppiche hängen an den hellen Wänden. Mahlsteine und geflochtene Körbe stehen neben Weinkaraffen aus ausgehöhlten Kürbissen, Wiegen für Babies schaukeln neben der Feuerstelle und überall hängen getrocknete Äpfel, Zucchinis, Chili und Kräuter von der Decke. Ein Messerfabrikant schlägt mit Steinen präzise auf eine Obsidianklinge, eine Spinnerin sitzt hinter einem Rad und lässt Wolle durch ihre Finger gleiten, eine Weberin zieht bunte Fäden zu Mustern auf und zwei Mädchen in Leinenhemden und farbenfrohen Röcken suchen in einer Bohnenschale nach unerwünschten Käfern.

Marie durfte selbst ein Tortilla, eine Art sehr dünner Pfannkuchen, herstellen und ich steckte sie später in einen Pranger. Als wir uns dann in der Einzimmer-Schule aus 1880 einen Spass daraus machten, mit Kreide auf kleine Tafeln zu kritzeln, entdeckten wir ein Papier, auf dem die Schulregeln und die Strafen der damaligen Zeit aufgeschrieben waren:

1. Jungen und Mädchen, die zusammen spielen – vier Schläge (dabei wird den Kindern mit einem Holzstock auf die Finger geschlagen)

2. Schlägerei – fünf Schläge

3. Auf Bäume klettern – ein Schlag für jeden Fuss (etwa 30 Zentimeter) über dem Boden

4. Lügen – sieben Schläge

5. Anderen Spitznamen geben – vier Schläge

6. In der Schule fluchen – acht Schläge

7. Lange Fingernägel – zwei Schläge

8. Dafür, nicht „Yes, Sir“, „No, Sir“, „Yes, Marm“ oder „No Marm“ zu sagen – zwei Schläge

9. Schule ohne Erlaubnis verlassen – vier Schläge

10. Dafür, sich nicht zu verneigen, wenn ein Fremder den Raum betritt – drei Schläge

Ich glaube, jetzt werde ich mich nicht mehr über meine Schulordnung beklagen!

Wir werden ganz bestimmt wieder kommen. Im Winter ist die El Rancho de las Golondrinas zwar geschlossen aber in zwei Wochen gibt es ein Mittelalterfest, zu dem wir unbedingt wollen und Anfang Oktober gibt es ein Harvest Festival (Erntedankfest). Aber bis dahin gibt es natürlich noch die Schule, und ich habe mir vorgenommen, mir mit meinem Taschengeld eine Native Flute zu kaufen und spielen zu lernen! Ich freue mich riesig auf das viele Neue und hoffe, dass es euch auch Spass macht, davon zu erfahren!

Hannah

Wikipedia-Eintrag zur Ranch