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img_1389Die Strasse verliert sich am Horizont. Ein endloser silberner Faden, schimmernd mit Fata Morganas. Die Hitze drückt durch die Fenster des Autos und das Sonnenlicht fängt sich in dem schwarzen Plastik. Das gelbe Gras entlang der Strasse bildet kleine Wellen wenn eine leichte Brise über sie streicht. Olivgrüne Büsche sprenkeln die Landschaft wie Perlen von der zerrissenen Kette eines Riesen.

Der azurblaue Himmel scheint höher als sonst, eine gigantische Glaskuppel über unseren Köpfen. Wie winzig wir für die Raben aussehen müssen, die über uns dahin gleiten.

Manche Leute könnten eine Fahrt durch die Wüste Arizonas deprimierend finden – ich finde es kraftgebend. Die Strasse geht geradeaus weiter, als könnten wir bis ans Ende der Welt fahren. Weit und breit nic

hts als Gras, Büsche und der Himmel. Keine Probleme, keine Pflichten, keine Sorgen, keine Hausaufgaben. Der Wind weht durch das offene Fenster und streicht über mein Gesicht, und in diesem Moment fühle ich mich, als wäre alles möglich. Habt ihr je das Sprichwort gehört The sky is the limit – Der Himmel ist die Grenze? Der Himmel in der Wüste hat keine Grenzen und somit ich auch nicht. Die Welt ist perfekt, nur für diesen kleinen Moment. Ich spüre, wie sie grösser wird – und sie ist in mir. Ich bin die Welt.

Kindergarten in Chinle

Dieser Ort ist einer der wenigen, die noch den Ureinwohnern Amerikas, den Indianer, gehören. Dieses Land ist ihr Reichtum, und es ist ihr einziger Reichtum. Wir fahren durch Dörfer die kaum mehr sind als ein paar Camping-wägen und Wellblechhüten, zwischen welchen kleine Kinder barfuss im Staub herumrennen. Dann ist mein perfekter Moment vorbei, die idyllische Blase zerplatzt. Dies sind die Menschen denen die Neue Welt gehörte, jetzt leben sie zwischen Müllhaufen. Der Reichtum dieser Welt liegt in der roten Erde der Mesas, im gelben Gras der weiten Prärien, und dem grenzenlosen, blauen Himmel. Der Himmel ist die Grenze. Die Indianer haben dies verstanden, obwohl wir sie von ihrem Land weggedrängt haben. Der Himmel ist die Grenze, und erst wenn wir das verstehen, werden wir wahrhaft leben können.

Hannah