Chief Joseph
Chief Joseph

Hin-mah-too-yah-lat-kekt (Thunder coming up over the land from the water), auf Englisch Chief Joseph benannt

Im Yellowstone stiessen wir etwas unerwartet auf die Spuren der legendären Indianer der Hochebenen. Seit ich als Jugendlicher Dee Browns „Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses“ gelesen und den Film „I will fight no more forever“ (Ich kämpfe niemals wieder) über Chief Joseph gesehen habe, liegt mir das Schicksal der Indianer am Herzen.

Ich hatte aber gar nicht gewusst, dass die Nez Percé, wie sie von Franko-kanadischen Pelzhändlern bezeichnet wurden (wie heissen sie denn eigentlich in ihrer Sprache? Antwort aus dem Internet: ‚Nee Me Poo’… Und warum wird der Name nie gebraucht?) auf ihrer viermonatigen Flucht vor den US Soldaten 1877 auch durch den damals frisch gegründeten Yellowstone Nationalpark gezogen sind. Unter Führung ihres jungen Häuptlings Chief Joseph hatten Teile der Nez Percé sich vom Norden Oregons aus durch das heutige Idaho, Montana, den in Wyoming gelegenen Yellowstone Park, zurück durch ganz Montana bis 60 km vor der Kanadischen Grenze durchgeschlagen. Mit Frauen, Kindern, Alten und Hunderten von Pferden hatten sie ein ums andere Male die amerikanische Armee ausgetrickst, nur um knapp vor der vermeintlichen Freiheit in Kanada gestoppt zu werden (s. Karte).

Wie ich jetzt noch einmal nachgelesen habe, war es nicht Chief Joseph allein, sondern ein Kollektiv von Häuptlingen und Kriegshäuptlingen, die gemeinsam beraten und die Entscheidungen getroffen  haben. Joseph war nur der charismatischste von ihnen und beim Zeitpunkt der Kapitulation auch der einzig übrig gebliebene. Die meisten anderen waren tot oder hatten in der letzten Nacht die Flucht nach Kanada gewagt. Auf ihrem Zug durch den Yellowstone begegneten den Indianern auch die ersten Touristen, die sie aber unbehelligt oder nach kurzer Gefangenschaft wieder frei liessen.

Heute ist in Yellowstone ausser dem nach ihnen benannten Tal nicht mehr viel zu sehen, was an die Indianer erinnert. Für ein paar Gedenksteine reicht es, aber für die wirkliche Durchsetzung des amerikanischen Gleichheitsgedanken dann eben doch nicht. Chief Joseph, der bei der amerikanischen Bevölkerung damals sehr populär war, durfte nie in sein geliebtes Tal nach Oregon, für das er den Kampf geführt hatte, oder zu seinem Stamm zurückkehren. Er und die Nachkommen seiner Gruppe wurden in ein anderes Reservat im Staat Washington gebracht.

Auch später bei unserem Besuch am Fort Laramie begegnete uns die Geschichte der lokalen Indianer wieder. Hier fand 1851 das grösste Meeting zwischen US Regierung und den Plains-Indianern statt (knapp 10’000 sollen es gewesen sein). Das wurde nötig, nachdem immer mehr weisse Siedler und Goldsucher nach Westen strömten – in Kalifornien hatte man inzwischen Gold entdeckt. Der Frieden war ein brüchiger, und als auch in Montana Gold entdeckt wurde und die Armee den Weg nach Norden durch befestigte weitere Forts beschützte, kam es zum Krieg. An deren Ende, 1868, musste die amerikanische Regierung – wieder in Fort Laramie – einen Frieden mit dem Anführer der Indianer, Rote Wolke von den Lakota Sioux, schliessen. Darin wurde versichert, die befestigten Forts aufzugeben und den Indianern grosse Landstriche im Nordosten Wyomings, in Nebraska und dem heutigen South Dakota, inklusive der ‚Black Hills’ als Land zu geben.

Natürlich hat dieser Vertrag nicht lang gehalten, besonders nachdem das Gerücht aufkam, in den Black Hills gäbe es Gold. So kam es zu Strömen von Goldsuchern, dem Einmarsch der Soldaten, der Schlacht am Little Big Horn und der endgültigen Niederschlagung des Indianerwiderstands. Von Rote Wolke stammt übrigens folgendes Zitat: „Die Weissen haben uns viel versprochen, mehr als ich aufzählen kann, aber gehalten haben sie nur ein Versprechen, sie schworen unser Land zu nehmen – und sie haben es genommen“.

Heute kann man im Visitor Center von Fort Laramie unzählige Büchern und DVDs zu der Geschichte der Indianer und der weissen Siedler kaufen. Immerhin, hier wurde die Geschichte doch sehr intensiv aufgearbeitet. Mit dem Untergang der freien Indianer wurde das Fort Laramie nicht mehr gebraucht und schon bald verkauft.

Matthias